Ruhrstadt" ist in der Diskussion, und die Wellen schlagen hoch: Eine Umfrage hat jüngst ergeben, dass es rund zwei Drittel der Bevölkerung im Revier für richtig halten, die Verwaltung der Region zu vereinheitlichen. Unter den "Gebildeten" war der Grad an Zustimmung zu dieser Forderung, mit rund 80 Prozent der Befragten, am deutlichsten ausgeprägt.
Kaum dass das Wort die Runde macht, empören sich viele, die ein Übermaß an Bürokratie jetzt schon beklagen und sich unter "Ruhrstadt" nur einen Moloch an zentralisierter Verwaltung vorstellen können. Andere befürchten den Verlust gewachsener kommunaler Identitäten, wieder andere möchten die Autonomie der kommunalen Selbstverwaltung uneingeschränkt erhalten wissen. Die Befürworter verweisen auf Repräsentations- und Planungsdefizite der Region etwa in der Standortpolitik, im Verkehrswesen oder im Bereich der Kultur. Viele von ihnen unterstützen eine generelle Reorganisation der administrativen Zuständigkeiten in Nordrhein-Westfalen, und sie beklagen oft den Kompetenzverlust des Kommunalverbandes Ruhrgebiet gegenüber dem älteren Siedlungsverband.
Stark verbreitet ist der Eindruck, dass es so nicht weitergehen kann und dass die Zersplitterung der Zuständigkeiten immer stärker in einen Gegensatz zu den Überzeugungen und Bedürfnissen der großen Mehrheit der Bevölkerung getreten ist. Wir im Ruhrgebiet wollen die Diskussion fortsetzen, aber wir wollen dies möglichst unvoreingenommen tun. Es geht nicht um Ängste, Vorurteile und Ideologien. Es geht um die Fortsetzung des Strukturwandels hin zu einer modernen, attraktiven Metropolen-Region, die in Europa und weltweit als die - mit Berlin - wichtigste deutsche Wirtschaftsregion wahrgenommen wird.
Initiiert durch den Verein pro Ruhrgebiet und die Stiftung Bibliothek des Ruhrgebiets, sollen sachkundige Wissenschaftler die Debatte fortsetzen. Sie sollen das Für und Wider aus ihrer Sicht wägen und ihre Thesen in vier Veranstaltungen, mit denen die wichtigsten Aspekte umgriffen sind, zur Diskussion stellen.